Kontaktlos digital versichern mit andsafe

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andsafe, ein Spin-off der Provinzial Nordwest, ist seit 2019 als digitaler Gewerbekundenversicherer am Markt und generiert online monatlich etwa 1.000 Neukunden. Vor allem Start-ups setzen in Versicherungsfragen auf digitale Lösungen. Im Interview verraten Managing Director Christian Buschkotte und René Werner, Leiter Produktmanagement, warum sie mehr als zufrieden sind mit dem Start.

Christian Buschkotte - andsafe Managing Director
Christian Buschkotte – Managing Director

Als einer der ersten digitalen Versicherer für Gewerbekunden sind Sie nun seit etwas mehr als einem Jahr am Markt. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Christian Buschkotte: „Wir sind bis heute der einzige digitale Gewerbeversicherer, der über alle relevanten Vertriebskanäle agiert, also über einen Multikanalansatz verfügt. Da werden wohl noch weitere kommen, aber wir machen jetzt schon wertvolle Erfahrungen und haben uns bereits einen relevanten Vorsprung erarbeiten können. Diesen wollen wir weiter ausbauen und bald auch in anderen Geschäftssegmenten nutzen. Unsere Ergebnisse sind trotz Corona gut. Bei uns haben sich bald mehr als 10.000 Gewerbekunden mit Versicherungsschutz versorgt.“

Multikanalansatz? Das müssen Sie bitte erklären.

Christian Buschkotte: „Das ist einer unserer Erfolgstreiber. Es gibt neben unserer Website andsafe.de auch andere Vertriebskanäle, über die wir unsere digitalen Produkte vermarkten. Da sind Vergleichsportale wie FinanzChef24 oder Verivox, aber auch unsere Geschäftsstellen und Sparkassenagenturen verfügen über spezielle Schnittstellen zu uns und unseren Produkten. Und auch Makler bedienen wir digital. Der Kunde findet unsere Produkte also überall. Das ist wichtig, denn wir haben in Marktforschung und Kundenbefragungen festgestellt, dass der Kunde immer häufiger mit Versicherer und Vermittler digital interagieren möchte und auf den physischen Kontakt verzichtet. Darauf müssen insbesondere Prozesse und Produkte eines Versicherers ausgerichtet sein. Der Kunde erwartet hier wie bei anderen Dienstleistungen die Servicierung in Echtzeit und das in allen Vertriebskanälen.“

Gestartet sind Sie mit den Produkten Betriebshaftpflichtversicherung und Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung. Dann kam die Inhaltsversicherung. Insgesamt also drei Produkte. Das klingt, als sei es doch recht komplex, einen Versicherungsvertrag 100 % digital abzuschließen.

René Werner: „Die Komplexität ist bei Gewerbeversicherungen deutlich höher als im Privatkundenbereich. Wir haben unsere bestehenden Kunden nach ihren Wünschen und Bedürfnissen befragt und unsere Produkte daran ausgerichtet. Das führte dann auch zu den Topbewertungen unserer Produkte durch die einschlägigen Ratingagenturen, wie z. B. Franke & Bornberg.“

Christian Buschkotte: „Vielleicht hören sich drei Produkte in 12 Monaten nicht nach einer rasenden Geschwindigkeit an. Hier gilt es aber zu bedenken, dass wir vertriebskanalspezifisch agieren, das heißt, unsere Produktlösungen und Beratungsstrecken sind auf den Nutzer ausgerichtet. Es macht einen Unterschied, ob Sie den Endkunden als Nutzer oder aber den Versicherungsberater als Nutzer haben. Darüber hinaus gilt es, die Vergleichsrechner von FinanzChef24 oder Gewerbeversicherung24 oder Verivox anzubinden, sodass alles in Echtzeit funktioniert. Insofern haben wir unter Berücksichtigung des sogenannten Customizings wahrscheinlich nicht drei, sondern 15 Produkte und das überwiegend in der sechsten Preisversionierung bzw. in der zweiten Produktgeneration. Sie können also davon ausgehen, dass wir alle zwei Wochen produktspezifische Attribute ausliefern.“


Rene Werner

René Werner andsafe AG
René Werner begann seine Karriere mit einer Ausbildung zum Versicherungskaufmann mit anschließender Weiterbildung zum Versicherungsfachwirt bei der Westfälischen Provinzial. Nach Stationen im Privatkundengeschäft wechselte er in das Firmenkundengeschäft, zuerst mit dem Schwerpunkt Landwirtschaft, später übernahm er dann die Geschäftsfeldsteuerung für das gewerbliche Kundensegment im Provinzial- Konzern mit dem Fokus auf die HUKR Sparten. Seit 2018 hat er den Aufbau von andsafe in der Projektphase begleitet und ist seit 2019 für die Produktentwicklung bei andsafe verantwortlich. Darüber hinaus koordiniert er die Zusammenarbeit zwischen andsafe und den Vertriebspartnern im Provinzial Konzern.


Okay, verstanden. Wie lange hat das im Vorlauf gedauert und was hat es gekostet?

Christian Buschkotte: „Das erste Kickoff-Meeting war im Juli 2018. Die BaFin-Zulassung haben wir am 15. Mai 2019 um 9.11 Uhr erhalten. Um 9.40 Uhr sind wir dann online gegangen. Es lief also ganz gut.“

Wie viele Personen waren beteiligt?

Christian Buschkotte: „In der Konzeptphase bis zu 50 Personen. Aktuell haben wir 36 festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind 15 in der IT-Einheit beschäftigt.“

Und die Kosten für die Entwicklung?

Christian Buschkotte: „Die liegen im zweistelligen Millionenbereich.“

Wann sind diese hohen Kosten wieder eingespielt?

Christian Buschkotte: „Das hängt von dem weiteren Wachstumspfad, der Abfolge in den Produkten und Geschäftssegmenten ab. Unser Ziel ist es, bis 2026 ein Beitragsvolumen von 100 Millionen Euro zu erwirtschaften. Auf dem Weg dorthin bauen wir Wissen und weitere Erfahrung auf, die wir im Konzern auch an anderen Stellen nutzen werden.“

Haben Sie die IT komplett selbst entwickelt, oder wer war noch daran beteiligt?

Christian Buschkotte: „Wir arbeiten im sogenannten Back-End mit Standardsoftware aus dem Hause adesso. Diese Komponenten wurden für unseren Einsatz entsprechend angepasst, sind aber natürlich entsprechend schnell verfügbar. Dort wo wir uns für unsere Kunden sichtbar differenzieren können, haben wir jedoch mit der eigenen Mannschaft Hand angelegt. Es war uns wichtig, dass wir jeden Prozess möglichst mit unseren Kunden denken und definieren und nicht auf bestehende Strukturen und Architekturen zurückgreifen. Unterstützt wurden wir dabei von der McKinsey Unternehmensberatung.“

René Werner: „Eine große Herausforderung war es, unser Angebot für sämtliche Aggregatoren und Intermediäre anzupassen, damit der Kunde sämtliche Geschäftsvorfälle nicht nur bei uns auf andsafe.de, sondern z. B. auch auf den angebundenen Plattformen erledigen kann.“

Nochmal zurück zum Rundum-sorglos-Paket: Ich kann also auf Ihrem Portal eine der drei genannten Versicherungsarten abschließen und habe ab sofort Versicherungsschutz? Gegen alle erdenklichen Risiken?

René Werner: „Mehr oder weniger ja. Es wird alles voll digital abgewickelt. Das ist die Zukunft.“

Apropos Zukunft: Was kommt als nächstes?

Christian Buschkotte: „Wir entwickeln die bestehenden Produkte natürlich ständig weiter und passen sie für neue Vertriebspartner an. Aber auch für existierende Partner. Denn wenn bei FinanzChef24 – unserem wichtigsten Aggregator – zum Beispiel ein Algorithmus umgestellt wird und wir da plötzlich bei den Ergebnissen nicht mehr auftauchen, dann ist das natürlich schon erheblich. Dann müssen wir schnell reagieren.“

René Werner: „Aber wir haben auch Neues in Arbeit. Mit der Cyberversicherung sind wir schon recht weit. Da stellen wir aktuell aber noch mangelnde Akzeptanz bzw. Sensibilität bei den Kunden fest, das Risiko wird oft noch unterschätzt. Wir beobachten aber natürlich den Markt und können dann schnell reagieren. Auch die gewerbliche Gebäudeversicherung wird es bei uns bald geben.“


Christian Buschkotte

Christian Buschkotte andsafe AG
Seinen Werdegang startet Christian Buschkotte, Generalbevollmächtigter der andsafe AG, mit einer Ausbildung zum Versicherungskaufmann und Versicherungsbetriebswirt. Berufserfahrung sammelte er u.a. als Underwriter für Lateinamerika, Spanien und Portugal beim Gerling-Konzern, während seinen Stationen mit Vertriebsverantwortung für die AXA und die Nationale Suisse sowie in der Position als Hauptabteilungsleiter für das Firmenkundengeschäft in den Unternehmen der Provinzial Holding. Heute ist Christian Buschkotte als Managing Director bei der andsafe AG tätig.


Wie alt sind Ihre Kunden im Schnitt. Oder anders formuliert: Wie lang sind Ihre Kunden bereits als Unternehmen am Markt?

René Werner: „Die einzige Frage, die wir unseren Kunden in dieser Hinsicht stellen, ist die, ob das Unternehmen älter ist als sechs Monate. 60 Prozent beantworten diese Frage mit Ja.“

Eine Besonderheit bei andsafe ist auch, dass sämtliche Daten und Prozesse in der Cloud gehostet werden. Gab es vonseiten der Kunden mal Bedenken?

Christian Buschkotte: „Nein, bislang nicht. Die regulatorischen Anforderungen an einen Finanzdienstleister in Bezug auf Datensicherheit und den Datenschutz sind sehr hoch. Ein cloudbasierter Betrieb wird u. a. auch im Rahmen der Lizenzerteilung mit dem Bundesaufsichtsamt für Finanzdienstleistungen intensiv behandelt. Insofern können Sie sich wahrscheinlich vorstellen, dass das kein simples Unterfangen ist und wie hoch die Anforderungen sind und welche Sicherheit herzustellen ist.“

Wo sehen Sie andsafe in 10 Jahren?

Christian Buschkotte: „Ich sehe uns als größten digitalen Versicherer am deutschen Markt.“

Dagegen spricht eine Umfrage des Digitalverbands bitkom. Danach rechnet die Mehrheit der Deutschen damit, dass sich das digitale Versicherungsgeschäft auf wenige große Plattformen konzentrieren wird und dass Google, Amazon, Facebook und Co. dabei erneut eine große Rolle spielen werden. Müssen Sie sich also künftig auch mit diesen Anbietern messen?

René Werner: „Es gibt ja eine hohe Regulatorik des deutschen Versicherungsmarktes. Damit tun sich bereits heute viele in den Markt eintretende Anbieter schwer. Insofern sehe ich das kurzfristig eher nicht. Wenn die genannten Anbieter dann auch auf den Versicherungsmarkt drängen, dann ja ausschließlich im B2C-Bereich. Das betrifft einen Teil unseres Vertriebskanalmixes. Ob derartige Anbieter als Plattform oder als Versicherer auftreten wollen, gilt es zu beobachten.“

Christian Buschkotte: „Die Kundenzufriedenheit ist z. B. bei Amazon auf jeden Fall sehr hoch. Insofern hätte das Unternehmen schon einen guten Zugang zum Markt. Heute konzentriert sich Amazon auf konkrete Bedarfsdeckung. Ob das für den Eintritt in die Versicherungsbranche reicht? Für den heute überwiegenden Teil der Versicherungskundschaft sicherlich nicht. Aber der Markt entwickelt sich irrsinnig schnell und in Zeiten von Corona ist die Veränderungsgeschwindigkeit auf Kundenseite noch einmal gestiegen. Insofern wird dieses sicherlich auch von Spielern wie Amazon mit Interesse beobachtet.“

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Stefan Reinermann ist Digital Journalist, Online-Marketing-Manager und als Inhaber und Geschäftsführer der Agentur r2medien auch Herausgeber dieses Blogs. Nach einer Ausbildung zum Versicherungskaufmann bei den Westfälischen Provinzial Versicherungen in Münster und einem Studium an der Deutschen Sporthochschule in Köln kam der gebürtige Emsdettener über Stationen in Redaktionen und Agenturen in Köln, Bonn, Leverkusen, Düsseldorf und Osnabrück schließlich zurück nach Münster und gründete hier 2004 die Agentur r2medien. Den Mehrwert von Netzwerken, kollaborativem Arbeiten und dem Teilen von Wissen hat er in den vergangenen Jahren in zahlreichen Projekten zu schätzen gelernt. Das war in erster Linie sein Antrieb zur Realisierung dieses Blogs.

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